{"id":930,"date":"2005-11-23T04:48:16","date_gmt":"2005-11-22T23:18:16","guid":{"rendered":"http:\/\/tao.kaoart.info\/contemporary-art\/kunstao\/2005\/288\/"},"modified":"2005-11-23T04:48:16","modified_gmt":"2005-11-22T23:18:16","slug":"auftritt-in-rosa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/tao0.date\/?p=930","title":{"rendered":"Auftritt in Rosa von Hans-J\u00fcrgen Hafner"},"content":{"rendered":"<p>Auftritt in Rosa von Hans-J\u00fcrgen Hafner:<br \/>\nam Donnerstag, den 24.11.05 und Freitagvormittag finden die  Einzelkonsultationen mit<br \/>\nHans-J\u00fcrgen Hafner an der HGB statt.<\/p>\n<blockquote><p>Ein ziemlich beeindruckender Auftritt. Sehr dominant, gleichzeitig aber auch ein wenig tr\u00e4umerisch und in sich versunken, \u00fcberblickt \u00fcberlebensgro\u00df eine rosige Marmor-Dame den offenen Schau- und B\u00fcroraum in der frisch er\u00f6ffneten Berliner Dependance der M\u00fcnchner Galerie Ben Kaufmann. Little Rosa (1982-1996) ist eine der letzten Arbeiten des bereits 1996 verstorbenen d\u00e4nischen K\u00fcnstlers Poul Gernes. Der frei stehende Akt, mit elegantem Schwung aus portugiesischem Marmor gefertigt, wirkt nicht nur von seinem Material her \u2013 einem fleischigen, bl\u00e4ulich durch\u00e4derten und weich geschliffenen Stein \u2013 lebendig. Die Dame scheint gerade im Begriff, Treppenstufen herab zu schreiten, ist wie in der Bewegung fixiert. Die Haltung ist stolz, aber ein wenig unbeholfen; keine wirklich \u201eklassische\u201c Anmutung \u2013 nicht zuletzt aufgrund der markanten Stilisierungen von Frisur (mit blau gef\u00e4rbter Haarschleife) und ornamental organisiertem Schamhaar, der auff\u00e4llig massiv stehen gelassenen Stabilisierung zwischen Armen und K\u00f6rper und, vor allem, einer hinterher gezogenen Arbeiterhose. <!--more--><br \/>\nDiese F\u00fclle an Details macht es fast unm\u00f6glich, die Skulptur zu datieren oder pr\u00e4ziser in einem treffenden Kontext zu verorten. Sicherlich zwinkert Marcel Duchamps ber\u00fchmter Akt verf\u00fchrerisch aus der Kunstgeschichte her\u00fcber und man k\u00f6nnte zudem an die \u00e4sthetischen Konzeptionen des SozReal denken \u2013 gerade auch, weil Rosa, wenn sie mit ihrem Fu\u00dfballen die wei\u00df-blaue Kachelung des Treppenabsatzes ber\u00fchrt, fast ein wenig tendenzi\u00f6s in Richtung Deko wirkt oder mit anderen Worten: eher \u201eangewandt\u201c als integer f\u00fcr den gesicherten Kunstgeschmack. Noch mehr irritiert allerdings die farbenfrohe, psychedelische Wandt\u00e4felung, die, dicht an dicht aus zwei Reihen quadratischer Bildtafeln installiert, den Raum einfasst. Ihr serieller Pop-Charakter erweist sich bei n\u00e4herem Hinsehen jedoch als tr\u00fcgerisch. Jedes einzelne dieser sichtlich gealterten Punkte-Bilder aus der 1966 entstandenen Serie der \u201eDot Paintings\u201c stellt sich als individuell und entschieden gestaltet heraus, l\u00e4sst aber eine vielf\u00e4ltige \u201eNutzung\u201c durch freie Kombination bereitwillig zu.<br \/>\nDie beinahe unvereinbare Spannung zwischen dem patinierten Pop-Minimalismus der \u201eDots\u201c und der aus ihrem Traditionalismus herauswachsenden Ambivalenz der Skulptur wird deshalb produktiv, weil sich darin die komplexe k\u00fcnstlerische Praxis und dazu das Selbstverst\u00e4ndnis von Poul Gernes widerspiegelt. Sein umfassendes Werk bewegt sich immer auch \u00fcber die R\u00e4nder einer als \u201erein\u201c idealisierten Kunstauffassung hinaus, wenn Gernes neben seinen genuin k\u00fcnstlerischen Produktionen quer durch s\u00e4mtliche Medien und Formen etwa die Architektur als Arbeitsfeld begreift und zum Beispiel die \u00e4sthetische Rundum-Gestaltung \u00f6ffentlicher Bauten realisiert. 1961 coinitiiert Gernes mit der Eks-skolen eine experimentelle Kunstschule, die \u2013 kollektiv organisiert \u2013 vor allem interdisziplin\u00e4re und performative Arbeitsweisen pflegt. In einer Reihe von theoretischen \u00dcberlegungen geht der K\u00fcnstler zudem Fragen nach der gesellschaftlichen Rolle der Kunst nach. Mit seiner sehr eigenst\u00e4ndigen, von der Serialit\u00e4t der Pop Art und dem Literalen des Minimal, aber auch von Volkskunst und Design beeinflussten k\u00fcnstlerischen Konzeption nimmt Gernes immer wieder auf Fragen nach dem Ort der Kunst, nach Autorschaft und k\u00fcnstlerischer Subjektivit\u00e4t Bezug.<br \/>\nTrotz der beeindruckenden Vielfalt seiner Aktivit\u00e4ten ist Poul Gernes au\u00dferhalb von D\u00e4nemark kaum einem breiteren Publikum bekannt geworden. 2002 erm\u00f6glichte bereits eine \u00dcbersichtsschau im Braunschweiger Kunstverein einen fundierten Zugang zu seinem vielschichtigen Werk. In der aktuellen, in dieser Form auch von der Witwe und der Tochter Gernes\u2019 tatkr\u00e4ftig mit eingerichteten Ausstellung bei Ben Kaufmann wird der Blick auf den K\u00fcnstler um eine \u00e4u\u00dferst interessante Facette erweitert und profiliert.<br \/>\nNoch bis zum 12. November 2005 in der Galerie Ben Kaufmann, Brunnenstr. 10, 10119 Berlin. <\/p><\/blockquote>\n<p>AutorInnen:<br \/>\nHans-J\u00fcrgen Hafner<\/p>\n<blockquote><p>freier Autor, Deutschland<br \/>\nBeitr\u00e4ge auf netzspannung.org\u203a Leuchtfeuer und V-EffekteBereichKultur | KunstKurzbeschreibung<br \/>\nHans-J\u00fcrgen Hafner, geboren 1972 in Freystadt, wohnhaft in N\u00fcrnberg, schreibt als \u00bbprofessioneller Ausstellungstourist\u00ab regelm\u00e4\u00dfig vor allem \u00fcber zeitgen\u00f6ssische Kunst und \u00fcber Musik. Er hat Germanistik und Geschichte studiert.<br \/>\nPublikationenHAFNER, Hans-J\u00fcrgen: Leuchtfeuer und V-Effekte. In: FLEISCHMANN; Monika, REINHARD, Ulrike (Hrsg.): Medienkunst als Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Heidelberg: Whois Verlags- und Vertriebsgesellschaft, 2004.<br \/>\nSchlagworteThemen<br \/>\nKulturvermittlung<\/p><\/blockquote>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auftritt in Rosa von Hans-J\u00fcrgen Hafner<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[],"class_list":["post-930","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-contemporary-art"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/tao0.date\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/930","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/tao0.date\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/tao0.date\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tao0.date\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/tao0.date\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=930"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/tao0.date\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/930\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/tao0.date\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=930"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/tao0.date\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=930"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/tao0.date\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=930"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}